Das Netzwerk Inklusion wird inklusiver

Landesbischof F. O. July begrüßt beim Netzwerk Inklusion (NIL) zum ersten Mal auch zwei Selbstvertreter. Beteiligung soll ernst genommen werden. Die beiden Männer im eRollstuhl aus dem bhz Stuttgart vertreten Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Wie aber gelingt es, dass sie sich in einer eng getakteten Sitzung mit „fachchinesisch“ mit ihren Interessen gut einbringen können? Im inklusiven Selbstversuch stellen sie sich dem Gremium vor, berichten von ihrer Erfahrung, von ihrer Kirche am Berg, deren Rampe so steil ist, dass man sich nicht traut alleine hinaufzufahren. Dabei wäre ein barrierefreier Zugang ja auch wichtig für Kinderwagen und die älter werdende Gesellschaft, berichten sie. Im Gottesdienst jedenfalls war es schön, „normal als Teilnehmer wahrgenommen zu werden und nicht als Behinderter. Man müsse sich beim Thema Inklusion „gar nicht so einen Kopf machen, man muss einfach mal was ausprobieren“, so die Erfahrung der Selbstvertreter, die andere dringend auffordern, ihre besonderen Bedürfnisse auch mutiger anzumelden. Zum Beispiel am Imbiss: „Kannst du mir den Hamburger füttern, sonst kann ich ihn bei dir nicht kaufen!“ Worauf der Landesbischof meinte: „Man wird erst sensibler, wenn man was mit jemand erlebt“.

Anschließend wird im Gremium nachgefragt und diskutiert, wie die gemeinsame Kommunikation gut gelingen kann und ob die beiden weiterhin dabei sein wollen: „Ja, wegen einmal kommen wir nicht“, kam die Antwort prompt. „Wir haben uns immer als Selbstvertreter mit der Zeit ‘eingegroovt‘“.

Und Aktuelles aus NIL

Dann ging es weiter zur Sache: Einhellig wurde ein Antrag in der Synode unterstützt, zukünftig auch den Ausbau der baulichen Barrierefreiheit in der Landeskirche finanziell zu sichern. Der bisherige Fond bezieht sich bislang noch nicht auf bauliche Maßnahmen. 50 Beratungen und die ersten Bewilligungen der nun freigegebenen Geldern für inklusive Aktionen wurden durchgeführt, 3000 Broschüren gezielt verteilt und zahlreichen Bezirkssynoden vorgestellt.

Die Selbstvertreter haben die Sitzung geerdet: „Wahnsinnig der Berg, den ihr bewegen wollt. Versucht doch erst einmal einen kleinen Berg abzutragen und nicht gleich ein ganzes Gebirge“, ist der Rat der Neuen. „Ja schon, aber der Glaube kann auch Berge versetzen“, meint der Bischof augenzwinkernd und fährt fort: „Jedenfalls kann ich nicht sagen, Kirche ist für alle da und dann scheitert man schon an den ersten Treppenstufen. Das sind Voraussetzungen, dass Menschen dem Evangelium begegnen können“. Der inklusive Selbstversuch im Netzwerk Inklusion geht weiter. In der nächsten Sitzung wird eine Selbstvertreterin für Menschen mit psychischen Erkrankungen das Wort ergreifen.

Ein weiterer Bericht von Wolfram Keppler https://aktionsplan-inklusion-leben.de/1688-2/#more-1688

Weitere Informationen zum Aktionsplan “Inklusion leben” unter https://aktionsplan-inklusion-leben.de

 

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