Kirche ist immer politisch – Rechtspopulismus als Testfall kirchlicher Politikfähigkeit

„Populismus als Testfall kirchlicher Politikfähigkeit“ – so lautete die Überschrift eines gemeinsamen Studientags der Schuldekaninnen und Schuldekane, Studienleiterinnen und Studienleiter, Referentinnen und Referenten des Bildungsdezernates und Dozentinnen und Dozenten des Pädagogisch-Theologischen Zentrums der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Zum Auftakt unterstrich Stadtdekan Dr. Christian Hermes (katholische Kirche Stuttgart, https://www.kath-kirche-stuttgart.de/stadtdekanat/leitung/), dass Kirche als Teil der Zivilgesellschaft immer politisch ist, ebenso ihre Kern-Botschaft, das Evangelium. Glaube und Politik sind Lebensbereiche, die zwar voneinander unterschieden sind, aber ineinander greifen. Christsein betrifft deshalb immer auch die politische Existenz, sie ist keine Einmischung in Politik, sondern ein Mitmischen zivilgesellschaftlicher Beteiligung des Christenmenschen. Ein entschiedenes Eintreten für Menschenwürde, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit ist deshalb ebenso konsequent wie ein entschiedenes Engagement gegen menschenverachtende, ausgrenzende Strömungen, gegen gezielt eingesetzte fake news und Verkürzungen von Wirklichkeit, gegen Ungerechtigkeit, soziale, ethnische oder religiös-weltanschauliche Ausgrenzung, die sich beispielsweise in zugespitzten Freund-Feind Schemata rechtspopulistischer Strömungen zeigt.

Politik lebt entgegen der rechtspopulistischen Behauptung, Kompromisse seien Verrat, gerade vom offenen Aushandeln von Kompromissen, einenm Verfahren, das alles andere als die Preisgabe von Wahrheit ist. Rechtspopulistische Behauptungen, „das Volk“ zu sein oder „die Stimme der schweigenden Mehrheit“ gehen ebenso an der Differenzierung der Wirklichkeit vorbei wie der Bezug auf „das Christentum“ weniger den Kern der christlichen Botschaft betrifft, sondern im Sinne eines Kulturchristentums Machtansprüche und Deutungshoheit signalisiert, die nicht selten dem Evangelium widersprechen.

In verschiedenen Arbeitsgruppen wurden weitere Aspekte rechtspopulistischer Ideologien beleuchtet und ein entsprechender Umgang damit reflektiert. Rechtspopulistischen Verkürzungen und Vereinfachungen gilt es auch in der religionspädagogischen Arbeit aktiv vorzubeugen und zu begegnen, so die einhellige Überzeugung des Studientages. Dabei geht es keinesfalls darum, Menschen oder Personen zu stigmatisieren, sondern um Klärung und Aufklärung durch Sachargumentation, die Förderung differenzierter Denkweisen, die Einübung von Perspektivenwechsel und damit auch um demokratische Bildung und eine konstruktive Pluralitätsfähigkeit.

Material- und Linktipp

Unter dem Titel “Politisch streiten. Argumentationshilfen und Impulse” hat der Diözesanpriesterrat und Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart wertvolle Tipps zusammengestellt, wie mit Rechtspopulisten geredet und umgegangen werden kann. Vgl. auch die Initiative http://farbe-bekennen-fuer-demokratie.info/

Ein SWR-Interview mit Christian Hermes kann man hier anschauen: http://www.ardmediathek.de/tv/Landesschau-Baden-W%C3%BCrttemberg/Monsignore-Christian-Hermes/SWR-Baden-W%C3%BCrttemberg/Video?bcastId=250286&documentId=39658632

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