Frieden – mit Religion: Bericht von der ptz-rpi-Jahrestagung 2017

Die diesjährige Jahrestagung des RPI Karlsruhe und des PTZ Stuttgart fand am 20. November 2017 unter dem Titel „Friede – mit Religion“ am PTZ in Stuttgart statt. Wie in den vergangenen Jahren wurde ein breites Publikum an Verantwortungsträgern und Fachleuten aus dem Bericht Bildung in Kirche und Schule eingeladen. Mit über 100 Anmeldungen war die Veranstaltung gut besucht.

In seinem Hauptvortrag (siehe Video unten) referierte Herr Dr. Walter Fleischmann-Bisten im Jubiläumsjahr der Reformation mit einem selbstkritischen Blick auf „Religiöse Standpunkte und radikale theologische Positionen damals und heute – ein Blick auf die Friedens- und Konfliktgeschichte der reformatorischen Kirchen“. In einem „Ritt“ durch die Kirchengeschichte schlug er den Bogen von der Urchristenheit und den ersten drei Jahrhunderten des Christentums, das nach 300 Jahren aus einer geduldeten Religion bald darauf zur intoleranten Staatskirche wurde. Über die Reformationsgeschichte und das Täufertum zeigte er in seinem Vortrag den langen Weg von der Toleranz zur Religionsfreiheit auf, die gerade von denen besonders gefördert wurde, die als Minderheiten unter Verfolgung litten. Neben anderen Beispielen erwähnte er hier unter dem Motto „Healing of memories“ das Schuldbekenntnis und die gegenseitige Erklärung zwischen den EKD-Landeskirchen und den Mennoniten, die 2010 in einem Bußgottesdienst in Stuttgart verlesen und feierlich bekannt wurde. Der kritische Blick in die eigene Geschichte, so Stefan Hermann, Direktor des Pädagogisch-Theologischen Zentrums Stuttgart, ist wichtig für die Erwartungshaltung an andere Weltanschauungen und Religionen in einer pluralistischen Gesellschaft.

Weitere Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland nahmen an einem Podiumsgesprächs unter dem Titel „Gesellschaftlicher Frieden – aber wie?“ und vier Foren zu aktuellen Themen Stellung. Die Breite der angesprochenen Themen reichte von der Fragestellung „Fundamentalismus / Populismus: „Nur wer kein Fundament hat, wird Fundamentalist – oder?“ über das gesellschaftliche Thema:  „Mit Argumenten Frieden schaffen – reicht das?“, den Bereich religiöser Bildung: „Religiöse Bildung – Sprengstoff oder Kitt?“  bis hin zur europäischen Perspektive: „Friedensprojekt Europa – wer macht noch mit?“

Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Schweitzer fasste die Tagung mit einem Ausblick auf die Friedenspädagogik des 21. Jahrhunderts zusammen. Dabei sei unter anderem der Blickwechsel von der kritischen Beschäftigung mit der Fragestellung “gerechter Krieg” im 20.Jahrhundert hin zur Perspektive nach einem “gerechten Frieden” im 21. Jahrhundert von großer Bedeutung. Den Fragen der Friedensbildung müsse mehr Bedeutung beigemessen werden, insbesondere auch dem Bildungsziel einer “starken Toleranz” sowie interkulturellen und interreligiösen Bildungsinhalten.

Die nächste Jahrestagung am 19.11.2018 befasst sich mit dem aktuellen Thema: “Die Menschenwürde ist …”

(Text: Johannes Neudeck und Stefan Hermann)

Video des Hauptvortrags von  Dr. Walter Fleischmann-Bisten

Impressionen

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