Luther macht Schule – auch heute?!

Vier Thesen zum Bildungserbe der Reformation heute

Bei Luther heute in die Schule zu gehen heißt, Bildung und Glaube zusammen zu halten. Die Lehre aus Luthers Schule für die Bildung unserer Zeit kann auf die Formel gebracht werden:

Nötig ist zweierlei: Eine gebildete Befreiung und eine befreite Bildung.

Zum ersten Teil: Gebildete Befreiung

Christinnen und Christen müssen auskunftsfähig sein über die Grundlagen ihres Glaubens. Es reicht nicht mehr aus, den Katechismus auswendig zu lernen. Vielmehr muss aufgeklärt Auskunft gegeben werden können, wie sich heute Bibel und Welt, Glauben und Wissen zueinander verhalten, z.B. in Blick auf Urknall, Wunder oder Homosexualität. Darum bedarf es weiterer Anstrengungen in Konfirmanden-, Kinder- und Jugendarbeit, in Religionsunterricht und Erwachsenenbildung.

Zum zweiten Teil: Befreite Bildung

Heute steht an, das Bildungsverständnis und die Bildungsanstrengung aus ihrer technokratischen babylonischen Gefangenschaft zu befreien. Und dies auf vierfache Weise:

  1. Im Zeichen des Glaubens (sola fide) und des Vertrauens in Gottes gute Zukunft: Die Befreiung vom Sparzwang in der Bildung, nicht zuletzt auch in Kirche und Gemeinde.
  2. Im Zeichen der Gnade (sola gratia) Gottes: Die Befreiung der Bildung vom Leistungsdiktat der Wirtschaft und einem unmenschlichen Lernen, das bulimisch immer nur reinstopft, um zum richtigen Zeitpunkt wieder auszuspucken. Auch Bildung ereignet sich nicht zuletzt in geschenkten Beziehungen.
  3. Im Zeichen der Schrift (sola scriptura): Die Befreiung der religiösen Bildung von einer verstaubten Form der Verkündigung, die am Wort und Papier klebt, ohne die modernen Mittel der digitalen Kommunikation zu nutzen.
  4. Im Zeichen Jesu Christi (solus Christus). Die Befreiung von einem falsch verstandenen Absolutheitsanspruch, der den Glauben anderer nicht wahrnimmt und stattdessen ein Gespräch der wechselseitigen Anerkennung in Wahrhaftigkeit ermöglicht.

Damit christliche Bildung, und darauf kommt es Luther an, weiterhin Schule machen kann, braucht es mit diesen vier reformatorischen Impulsen eine gebildete Glaubensfreiheit und eine von verkrampften Zwängen befreite Bildung.

 

Zur Herleitung dieser Thesen siehe den Vortrag in: http://www.ptz-rpi.de/fileadmin/user_upload/ptz/Das_insitut/ptz_aktuelles/2017_10_Luther_macht_Schule.pdf

 

Dozent Dr. Wolfhard Schweiker, ptz Stuttgart

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